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Achtsamkeit Tag

Probleme und so – Vom nützlichen Umgang mit diesem Alltagswort (#020)

„Geh mir weg mit deiner Lösung, sie ist der Tod für mein Problem.

Was Annett Louisan in ihrem Lied treffend beschreibt, ist eine von verschiedenen Aussagen, wie man über den Umgang mit «Problemen» nachdenken kann. Es ist darum gar nicht immer so klar, was hinter «Problemen» steckt und ob man solche auch lösen oder weghaben will. In meinen systemischen Ausbildungen habe ich viel zu diesem spannenden Thema gelernt. Ich hoffe, die folgenden Gedanken inspirieren Sie und regen zu Diskussionen an. Oder ermuntern Sie, bei Problemen zu etwas mehr Gelassenheit und Schmunzeln. Dies ist sowohl gesund wie nützlich. Denn in einer solchen Stimmung entstehen meist auch die besseren Problemlösungen.

Ein Problem wird immer hergestellt

Ein Sachverhalt wird erst dann zu einem Problem, wenn jemand diesen dazu macht. Mein Freund kann jedes Mal zu spät zu einer Verabredung kommen. Wenn ich das nicht problematisiere, ist das lediglich ein Fakt. Wenn ein Schüler zu spät zum Unterricht kommt, wird wohl in den wenigsten Fällen daraus kein Problem gemacht.

Es ist nicht immer klar, wer (welches) Problem besitzt

Im Falle des Schülers müsste sich wohl die Lehrperson zuerst als Problembesitzerin der Unpünktlichkeit zu erkennen geben. Vielleicht löst der Junge so sein eigenes Problem, dass er den Schulweg spannender findet als die Mathelektion. Oder ein zweites Beispiel: Das Schwatzen im Unterricht ist für die Lehrperson lästig, dafür wird das Kontaktbedürfnis der Kinder befriedigt. Systemische Lösungssuche würde heissen: Wie könnte ich das Kontaktbedürfnis der Schülerinnen und Schüler besser stillen, so dass mein Problem des Schwatzens verschwinden würde. Die Frage: «Wer hat das Problem/Wer hat welches Problem?» ist auf jeden Fall in vielen Beratungssituationen mit an Bord.

Probleme verschwinden, wenn sie nicht aktiv aufrecht erhalten, bzw. bewirtschaftet werden

Politische Parteien leben davon, gewisse Probleme zu bewirtschaften. Darum ist die Frage, «Wem nützt es?» auch beim Umgang mit Problemen immer nützlich. Wenn ein Ehepaar immer wieder über die Nachbarn lästert, stärkt es so den eigenen Zusammenhalt. Problembewirtschaftung hilft also, Ehen zu kitten oder sich an der Macht zu halten.

Die Angst vor Problemen ist manchmal grösser als das Problem selbst

Das erklärt zum Beispiel, warum die so deklarierte Ausländerproblematik auf dem Land viel grösser ist wie in der Grossstadt. Oder Menschen zu Hamsterkäufen veranlasst. Menschen Angst zu machen ist bei der Problembewirtschaftung eine bewährte Methode. Auf individueller Ebene sieht man diese Unterschiede auch. Ein Vater kann das Verhalten seiner Tochter als noch ok sehen, während seine Frau darin schon ein „Problem“ erkennt.

Jeder Mensch hat jederzeit die Gelegenheit, Probleme zu kreieren

Natürlich kann es im Beispiel oben auch umgekehrt sein. Der Vater erkennt ein Problem und die Mutter nicht. Und sie können jetzt auch meine Befürchtung sehen, dass Leserinnen und Leser unter ihnen das Gebrauchen von Stereotypen als Problem deklarieren könnten. Während andere noch nicht mal bemerken oder auch wenn sie es sehen, mir noch keinen Strick drehen, bzw. aus meinem Text ein Problem herstellen. Vielleicht auch deshalb, weil man nicht immer Zeit dafür hat, Probleme herzustellen.

Aktuelle Probleme waren vorher Lösungen 

Ob das der Verbrennungsmotor ist oder die Atomkraft. Bahnlinien und Autobahnen entlang von Seeufern, Quecksilberfüllungen in Zähnen oder vielleicht das Wahlsystem in den USA: Viele der heutigen Probleme waren im Laufe der Evolution zuerst Lösungen, also ein Gewinn. Das kann man auch auf der Persönlichkeitsebene sehen: Viele der Kindheitsmuster, die wir heute in Therapien bearbeiten, haben uns früher das Überleben gesichert.

Individuelle Probleme erfordern individuelle Lösungen

Ich habe eine hohe Achtung vor Systemen. Ob das Staaten, Gruppen oder Einzelpersonen sind. Alle entwickeln Muster und Abläufe, die meist unbewusst entstehen, aber wirken. Und so versuchen, die Systeme in Balance zu erhalten. Egal welche «Probleme» meine Kunden in die Beratung mitbringen, auch dafür zolle ich Achtung. Man kann auch immer davon ausgehen, dass alle Menschen, die Beratung in Anspruch nehmen, zuvor verschiedenste Lösungsversuche unternommen haben. Und da ich nie weiss, was die individuelle Wahrheit ist, sammle ich gerne mit meinen Klientinnen und Klienten «Ideen». Und hüte mich vor Rat-Schlägen. Damit jede Person ihre individuellen Lösungswege verfolgen kann.

Probleme als Tatsachen zu sehen, macht handlungsfähig

Hier hilft die letzte Aussage: Macht man Probleme zu Tatsachen, kommt man vom „Lästern“ in mögliche Handlungen und übernimmt Verantwortung. Bewegung kann entstehen – von der Problemtrance und Schuldzuweisung in die Lösungswelt.

Welche Aussage hat Ihren Horizont erweitert? Gerne arbeite ich zusammen mit Ihnen an ihren „Problemen“, als Sparringpartner auf Augenhöhe.

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Die natürlichen Kompetenzen – Ein Zugang zu Integrität und Resilienz (#019)

In unserem hektischen Alltag sind wir mit unserer Aufmerksamkeit oft im Aussen. Das bedeutet, dass wir dauernd in Gefahr laufen, den Kontakt mit uns selbst und unserer Integrität zu verlieren. Dabei schneiden wir uns auch von unseren natürlichen Kompetenzen ab, welche helfen, dass wir innerlich in Balance bleiben. Dass wir merken, wer und wie wir grad sind und was wir im Moment brauchen.

Wir können diese Kompetenzen trainieren. Sie tragen zu unserer Ganzheit und Authentizität bei und stärken die natürliche Autorität, jene zentrale Ressource, wenn wir andere Menschen beziehungskompetent führen und begleiten.

Herz: Wir besitzen die Fähigkeit, zu mögen und gemocht zu werden. Wir können Vertrauen, Freundlichkeit, Anerkennung, Akzeptanz, Mitgefühl und Einfühlungsvermögen zeigen und entgegennehmen.

Bewusstsein: Die Fähigkeit, sich seiner Aufmerksamkeit bewusst zu sein und zu spüren, dass sie die ganze Zeit über da ist. Indem man die Aufmerksamkeit auf Pausen richtet, und ihnen mehrmals täglich Raum gibt, kann man das Verankert-Sein im Hier und Jetzt und damit die Präsenz und die Aufmerksamkeit fördern.

Körper: Es ist wichtig, im Kontakt mit dem eigenen Körper zu sein, wenn es um die Verankerung im Jetzt geht. Deshalb ist es nötig, immer wieder das Körperbewusstsein zu fördern, in dem man seine Aufmerksamkeit auf verschiedene Bereiche im Körper richtet und auf Ruhe und Bewegung achtet.

Atem: Wenn wir unsere Aufmerksamkeit nach innen richten, ist der Atem ein guter Anker. Die Atmung schafft eine Bewegung in der Körpermitte und an den Seiten des Körpers. Das Beachten und Spüren der Atmung und der dadurch ausgelösten Bewegung hilft, den Kontakt zur Mitte des Körpers zu finden und führt zu einer ausgeglicheneren Balance zwischen nach innen und aussen gerichteter Aufmerksamkeit.

Kreativität: Damit ist eine allgemeine Grundkreativität gemeint. Wir alle empfangen unablässig Impulse, auf die wir reagieren und auf die wir unser Handeln ausrichten. Allein schon darin liegt eine schöpferische Tätigkeit, die wir als Kreativität bezeichnen und die allen Menschen gegeben ist.

Dabei sind diese natürlichen Kompetenzen in uns angelegt. Ein Säugling, der vollkommen entspannt daliegt, atmet natürlich und tief. Bei jedem Atemzug bewegt sich sein ganzer Körper, sein Blick ist wach, und sein Gesicht und die Körperhaltung sind offen. Er bringt seiner Umgebung eine ganz natürliche Offenheit entgegen, und reagiert auf diese entsprechend den Impulsen, die er von innen und aussen erhält. Dieses Bild ist ein Beispiel für die fünf natürlichen Kompetenzen, wenn sie alle gleichzeitig aktiv sind

Das unten angegebene Buch von Helle Jensen ist eine Ideensammlung für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Der Fokus der Übungen liegt auf dem Wahrnehmen – auf dem „Nach-innen-Gehen“ und nicht auf dem, was man spürt. Die Basisübungen fokussieren auf eine Kompetenz, mit der Zeit werden verschiedene Kompetenzen miteinander verbunden.

Viele Übungen lassen sich adaptieren auch auf Erwachsene. Ich verwende sie oft in den Gruppen, in denen ich unterwegs bin. Gerne stelle ich Ihnen dieses Konzept in Ihrer Institution persönlich vor. Eine Einführung (2h Online) gebe ich am 22. Mai. Für Lehrpersonen und andere Interessierte ist vielleicht dieser Ferienkurs interessant. Es braucht keinerlei Vorkenntnisse.

Literatur: Jensen, Helle (2014): „Hellwach und ganz bei sich“ Achtsamkeit und Empathie in der Schule. Beltz Verlag, Weinheim und Basel.

Siehe dazu: Existenzieller Konflikt (#014) / Sie Sie auf Ihrer Bahn? (#006)

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